Aus dem Kleinen, aus dem Großen
lernst Du einen Sinn zu flechten,
denn das Gute und das Böse
liegt nicht nur in Gottes Mächten.
Was Dich zu erdrücken drohte,
zeigt sich freundlich, atmet Geist
und Dein Glauben, Deine Hoffnung,
kommt als Bote, wie du weißt.
Finde die verschlung‘nen Pfade,
höre auf des Herzens Ruf
und erkenne diese Gnade
die Natur und Menschheit schuf.
Ingrid Riedl
Der Herbst ist da und zeigt wieder das Gold des Waldes. Ein beruhigendes Gefühl findet Enea. Das fallende kunterbunte Laub wird die Dinge umwandeln. Sie hat gelernt sich ihren Gefühlen einfach mal hinzugeben ohne in Angst oder Panik zu verfallen. Somit kann sie auch wieder problemlos Atmen. Ja atmen ist wichtig und eins der Dinge, die sie so schnell nicht wieder vergessen wird. Sie weiß, dass dies immer noch der Anfang ist, aber nun hat sie keine Angst mehr vor der langen dunklen Jahreszeit. Ein Stück weit freut sie sich sogar darauf. Sie möchte mehr Zeit für sich nutzen und sich von den vielen unnützen Dingen trennen. Das ist leichter gesagt, als getan, denn Enea räumt auf und schwelgt dabei in Erinnerungen…
"Sanft wie das Winden eines weichen Bandes sind du und ich seit Ewigkeit verbunden,
ich, Bote eines fernen fremden Landes, kann nur mit Dir gesunden.
Das Band das uns verbindet, ist verschlungen,
du musst allein den Knoten darin lösen und ist das Lösen dir gelungen,
sind wir genesen!"
(Der Text stammt aus einem Buch über Dualseelen!)
Ein Teil von Enea lebt woanders. Es gibt keinen Kontakt mehr, was im Moment auch okay scheint. Aber dennoch ist noch nicht alles gesagt. Die Zeit ist noch nicht reif für die passenden Worte. An manchen Tagen tut es weh, so wie heute. Der Eichelhäher brachte ihr morgens die Antwort, nachdem sie im Traum ihren Namen rief und in ein erstauntes Gesicht blickte. Die Verbindung ist da, nichts und niemand kann das Trennen, weil es schlichtweg zusammengehört. Aber ein jeder kann damit leben und Enea ist sich sicher, das das verschlungene Band sich gelöst hat. Die Sehnsucht ist da, aber der Tag wird kommen an dem die beiden sich wieder sehen werden...
Die Geschichte geht weiter….
Enea ist bemüht ihr Leben wieder zu ordnen und einfach zu leben. Vieles hat sich zum Positiven verändert, alles könnte so schön sein.
Sie hat einen Schlussstrich gezogen, liebe Menschen weiterziehen lassen und angefangen, an sich selber zu denken. Alles wunderbar, wäre da nicht diese Angst, diese unbeschreibliche Angst, von jetzt auf gleich, einfach so. Sie ist nicht greifbar und auch nicht zu erklären. Enea weiß noch nicht einmal wovor sie Angst hat.
Angst hat eine kalte Hand
die mich drückt heftig an die Wand
es fehlt mir die Luft zum Atmen
und ich kann dann nur warten
darauf das es wieder geht
aber es kommt immer wieder
und drückt mich jedesmal nieder
ich kann es einfach nicht verstehen
habe ich etwas übersehen?
Enea hätte ihrem Leben am liebsten ein Ende gesetzt. Sie hatte jegliche Hoffnung auf Besserung verloren. Es war, als würde jemand sie beherrschen und alles an ihr Vorgeben. Jede Bewegung, jedes Wort, jede Tat, ja sogar jeder Atemzug, nichts davon tat sie aus freien Stücken. Sie war nicht mehr sie selbst und funktionierte nur noch, ohne irgendwelche Emotionen - wie eine Marionette.
Viele waren verzweifelt über ihre Situation, aber keiner konnte wirklich helfen. Sie zog sich mehr und mehr zurück, hörte auf zu reden und vermied es, auf Menschen zu treffen. Enea bekam kaum mehr etwas mit, sie war schon ganz weit weg… Und genau das wurde ihr beinahe zum Verhängnis. Es kam der Tag, andem sie einfach ihren Körper verließ. Sie war bei besonderen Menschen in diesem Moment. Sie existierte als Nichts überall und nirgends. Es ging ihr gut damit, denn jede Last war nun verschwunden.
Leider hielt dieser Zustand nicht lange an, denn sie wurde zurückgeholt. Mit einem Mal war sie wieder da. Alles tat ihr weh und sie konnte nicht atmen, musste ständig husten und ließ sich nicht beruhigen. Sie wollte nicht hier sein und schloß einfach wieder die Augen. Wieder verließ sie einfach ihren Körper und war Nichts. Sie sah ein Licht und versuchte dieses zu erreichen. Ihr Körper hatte mittlerweile alle Funktionen auf ein Minimum zurückgestellt. Sie atmete kaum noch, Puls und Herzschlag waren nur noch sehr schwach. Hektik kam bei den Beteiligten auf und es ging die Angst um, Enea zu verlieren. Sie spürte nichts von alle dem. Sie war im Licht und wurde wieder festgehalten. Sie war jenseits von Gut und Böse. Einfach im Nichts! Dann hörte sie eine Stimme, von ganz weit weg. Diese sagte immer wieder: Atme! Atme! Atme doch endlich! Aber auch das war Enea egal. Wozu sollte sie atmen? Sie brauchte nicht atmen, hatte überhaupt kein Bedürfniss danach. Außerdem war sie es leid, immer das zu tun, was von ihr verlangt wird. Sie wollte und konnte einfach nicht mehr. Enea gab auf...
Doch dann spürte sie auf einmal ihre Füsse und gleichzeitig hörte sie ihren Namen. Jemand rief sie ins Leben zurück. Die Hände im Licht ließen sie los und sie musste zurück, ja sie wollte sogar zurück. Sie wollte zu der Stimme, die ihren Namen sagte, ganz ruhig und leise hörte sie wieder und immer wieder ihren Namen. Sie öffnete die Augen, holte etwas Luft, was nicht sehr gut ging und schaute in entsetzte und gleichzeitig erleichterte Gesichter. Sie war wieder da!
Da sie immer noch nicht richtig Atmete, wurde ihr nun noch das genommen, was sie kontrollierte. Es tat weh und sie spürte eine Leere in sich. Tränen liefen über ihr Gesicht, Tränen der Erleichterung und der Freiheit, denn sie konnte wieder Fühlen. Sie spürte die Wärme und Liebe, die ihr gegeben wurde und sie atmete. Enea konnte wieder atmen. Zum ersten Mal seit langer Zeit atmete sie und nahm alles in sich auf.
Enea hat nun eine besondere Kraft in sich. Und sie ist endlich wieder sie selbst! Alles, was sie macht, kommt nun von Herzen. Sie atmet ganz bewusst mit dem ganzen Körper und sie fühlt, sie fühlt einfach alles. Und das macht sie glücklich! Ja Enea kann wieder lachen, sie hat wieder Freude am Leben und eine Menge Nachholbedarf an vielen Dingen. Und sie ist unendlich dankbar. Sie hat ein neues Leben bekommen und wird dieses auch nutzen und dafür dankt sie allen, die daran beteiligt waren.
Enea Lebt nun mit Körper, Geist und Seele und sie steht fest und sicher mit beiden Beinen auf dem Boden!
DANKE!
Enea ist traurig und weiß einfach nicht mehr wohin?
Sie weiß nicht, wer sie ist, wo sie steht, was sie sucht, ob sie überhaupt etwas sucht, was sie macht, was sie nicht macht, etc.?
Helfen kann ihr niemand, da sie ihren Glauben und auch das Vertrauen verloren hat. Niemand darf an sie ran, sie sorgt immer für den nötigen Abstand und meidet Menschen, so gut es geht. Sie hat keine Geduld und keine Ausdauer, probiert vieles aus und lässt es dann wieder sein. Aber viel schlimmer ist die Tatsache, dass sie über all die Dinge Bescheid weiß. Sie weiß, wie sie ist, kann es aber nicht ändern. Als würde sie jemand oder etwas daran hindern. Enea hat an allem die Lust verloren, da ist nichts und niemand, das oder der ihr noch etwas bedeutet. Immer und überall stößt sie auf Unzuverlässigkeit, ja manchmal sogar Unehrlichkeit. Sie meint, jeder will ihr etwas, jeder hintergeht sie. Obwohl dem gar nicht so ist. Sie kann sich selber nicht stoppen und findet das bzw. ihr Leben einfach nicht mehr. Es geht nur noch Hoch und Runter in ihrem Leben mit jeder Menge Pflichten, wobei die Tiefe mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Enea hat keine Träume, keine Pläne, keine Ziele. Es gibt nichts Schönes und nichts Schlechtes bei ihr. Sie überlebt nur noch jeden Tag, mal mehr und mal weniger gut. Sie weiß, das sie so nicht weitermachen kann und das sie so einigen Menschen vor den Kopf stößt und auch weh tut. Aber wie aufhören?
Enea möchte Beweise, einfach Beweise. Nichts funktioniert wirklich! Wo sind die Beweise? Es gibt nichts, rein gar nichts, was sie wirklich mal an etwas dauerhaft hätte glauben lassen. Nichts funktioniert richtig, immer nur halb oder oberflächlich. Warum ist das so? Enea hat sich in ihrem eigenen Gedankenchaos verrannt. Ob sie da wieder alleine raus kommt ist fraglich. Sie ist auf der Suche nach etwas, was sie nicht in Worte fassen kann. Nach einer Art Ausgleich oder etwas wodran sie glauben und womit sie arbeiten kann. Etwas, was Spaß macht. Etwas Schönes, welches sich in ihr Leben integrieren lässt. Aber wo suchen?
Sie kennt sich mit Pflanzen relativ gut aus und kann sich das, was sie darüber liest sehr schnell merken. Aber dennoch ist sie momentan an einem Punkt, wo sie nicht mehr kann und nicht mehr will. Der Tinnitus ist weiterhin lautstark zu hören. Erst heute wurde sie wieder gefragt, was sie denn nicht hören möchte. Vorgestern sagte ihr jemand, das nennt man „Burn Out Syndrom“. Jeder hat etwas anderes zu sagen. Enea fühlt sich oftmals allein und auch verlassen. Es ist ein Teufelskreis in dem sie sich selber gefangen hält. Im tiefsten Inneren hofft sie, das jemand sie daraus befreien wird. Aber so wie es aussieht, muss sie sich auch hier wieder selber helfen. Sie macht keine Runen mehr, beschäftigt sich auch nicht mehr mit diesen. Die Karten sind feinst säuberlich weggepackt, genau wie die Heilsteine und jeglicher Schmuck. Alles, was irgendwie mit Esoterik und Schamanismus zu tun hat, ist außer Sichtweite.
Gestern bekam sie etwas geschenkt. Sie trägt nun ein kleines Fläschchen um den Hals. Gefüllt mit verschiedenen verdünnten Pflanzenessenzen. Diese wirken ausschließlich auf der energetischen Ebene. Ein klitzekleiner Hoffnungsschimmer auf Besserung hatte sie, als sie es umlegte. Aber nun viele Stunden später, ist irgendwie noch keine Besserung da. Vielleicht übersieht sie auch etwas. Sie ist so traurig, dass selbst ihre beste Freundin sie nur in den Arm nahm, ohne große Worte. Enea konnte dennoch ihre Gedanken hören. Sie würde so gerne helfen, weiß aber nicht, wie sie das machen soll, da Enea niemanden an sich ran lässt. Enea hat unheimlich große Angst, eine unerklärbare Angst…
Nachdem Enea nun stundenlang geschwiegen hat und einfach nichts mehr zu sagen hatte, bessert sich so ganz langsam ihre Stimmung. Aber sie ist mißtrauisch. Liegt es an diesem Fläschchen? Ist es Manipulation? Sie macht sich schon wieder viel zu viele Gedanken. Dennoch weiß sie nicht wirklich, wie es ihr geht. Durcheinander ist sie nach wie vor. Aber irgendwie ruhiger! Das kann allerdings auch an ihrer Teemischung liegen. Eigentlich wollte sie durch den Tee ledglich wieder schlafen, aber müde macht er sie leider gar nicht. Nur Ruhig!